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Geschichte und Aufgabe
des Cupere Instituts für Geschichtsinterventionen
Das Cupere Institut für Geschichtsinterventionen
wurde 1992 von dem Berliner
Historiker Prof. Dr. Jaap van
Hoofstraat gegründet und forscht seitdem in der bestehenden und
entstehenden Geschichtsschreibung nach ambivalenten
Personen und Vorfällen, die in der bisherigen Geschichtsschreibung
keine Entsprechung gefunden haben. Diese Blindflecke der Geschichtsschreibung
(Hoofstraat) sollen in das kollektive Geschichtsbewußtsein
integriert werden. Neben dieser wesentlichen Aufgabe werden Fragestellungen
nach dem Wahrheitsgehalt und der Manipulationsanfälligkeit der
Geschichtsschreibung unter dem
Aspekt der temporären Wahrheit (Hoofstraat)
erarbeitet. Nach dem Tod Professor Dr. Jaap van Hoofstraats im Jahr 1998
wurde die Direktion des Instituts an den
langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter Dirk
Dietrich Hennig übergeben.
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"Das
Wesen von Kulturgeschichtlichen Präsentationen ist untrennbar von der
Geschichtsgläubigkeit. Wenn wir über Geschichtsgläubigkeit reden, müssen
wir auch von der Wahrnehmung der Geschichtswahrheit reden. Geschichte -
also Geschichtsschreibung - beinhaltet nur den Status Quo, also eine
temporäre Wahrheit. Diese geschichtlich temporäre Wahrheit gilt bis zu
dem Zeitpunkt, wo durch neue Erkenntnisse, Forschungsmethoden oder
Bewertungen, ein neuer Status Quo eintritt, also neu Kategorisiert und
bewertet werden muss. Durch einen geschichtlich relevanten Fund, kann die
Situation entstehen, das ganze Kapitel der Geschichte, die sich auf diesen
Fund beziehen, also Personen, Städte, Landstriche oder Völker, neu
geschrieben werden muss. Der Staus Quo der Geschichtsschreibung definiert
also a priori den Blickwinkel und somit auch die Bedeutung eines jeden
geschichtlich relevanten Fundes, und damit auch das Vertrauen in die
Geschichtsschreibung, also der Geschichtsgläubigkeit.
Diese
Glaubwürdigkeit von Geschichte in Frage zu stellen, mit historischen
Realitäten oder geschichtlichen Fiktionen zu hantieren, die
Geschichtsschreibung zu ergänzen, neue Sachverhalte in bestehende oder
konstruierte Konstellationen zu integrieren, um sie dadurch für eine neue
Bewertung und einer neuen Betrachtungsweise in Frage zu stellen, also die
letzte Bastion der Wahrheit, das Museum als Institution der
Geschichtsvermittlung par Excellenze zu diskreditieren, ist letztlich das
Wesen der Geschichtsintervention. Die Geschichtsintervention hinterfragt die Charakteristika der
Geschichtsschreibung, und stellt ihre Autorität in Frage. Die Funktion
des Museums als Institution der Geschichtsvermittlung und damit die
Funktion der Wahrheitsübermittlung wird in Frage gestellt. Wissentlich
mit einer Geschichtsintervention konfrontiert, muss der Rezipient anhand
der Präsentation seine eigene Wahrheit konstruieren. Die Intervention kreiert also im übertragenen Sinne
eine eigene Wahrheit - die Möglichkeit der geschichtlich akzeptierten
Konstruktion wird als Teil des eigenen Verständnisses der geschichtlichen
Wahrnehmung verstanden. Der historische Rahmen der Intervention
konfrontiert den Betrachter mit seiner eigenen Geschichtswahrheit, seiner
Vorstellung von Geschichtsgläubigkeit. Somit wird der Begriff der
musealen Glaubwürdigkeit – also Wahrheit – dekonstruiert, und somit
eine Sensibilisierung der Wahrnehmung von Geschichte evoziert. Ein Vorgang
der Bewusstwerdung des Status Quo der Geschichtsschreibung und damit auch
der temporäreren geschichtlichen Wahrheit, der zu einem differenzierten
Umgang mit musealen Präsentationen, also Institutioneller
Vermittlungsautorität von Wahrheit im Sinne von Geschichtsschreibung führt."
Dr. Jaap van Hoofstraat,
Ausschnitt
aus einer Rede,Geschichtsphilosophischen Kongress,
Berlin, März
1993
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1962 definierte Prof. Dr. Jaap van Hoofstraat das Modell der
Geschichtsintervention. Die Geschichtsinterventionen beschreibt Eingriffe in die Geschichte durch
die Geschichtsschreibung selbst.
Anhand des geschichtlichen Zeitstrahls (GZS), der
auf bisherige, gesicherte Erkenntnisse beruht, wird ein
historischer Zeitrahmen definiert. Parallel zum geschichtlichen
Zeitstrahl, verläuft der geschichtliche Interventionszeitstrahl
(GIZS). Der geschichtliche Interventionszeitstrahl taucht in den
bestehenden Zeitstrahl ein und bildet eine Schnittfläche der
Zeitachsen (GSZ) – die Intervention in die Geschichte. Nachdem
der geschichtliche Interventionszeitstrahl aus der Schnittfläche
der Zeitachsen dem geschichtlichen Zeitstrahl verlässt, bildet
der Interventionszeitstrahl einen Parallel- Wahrheitsstrang
(PWS) für den weiteren geschichtlichen Verlauf, unter
Einbeziehung der Veränderungen durch die Intervention (GZS +/-
GIZS = PWS).
Über einen längeren zeitlichen Abstand kann dieser weitere
geschichtliche Verlauf zu einer Verschmelzung des Parallel-
Wahrheitsstrang mit dem geschichtlichen Zeitstrahl führen und
so die Integration der Intervention (I) in den geschichtlichen
Zeitstrahl unkenntlich machen (GZS +/- GIZS = PWS + I = GZS).
Quelle: Jaap van
Hoofstraat, Das Modell der Geschichtsintervention, 1962
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"Intervention ist eine steuernde Maßnahme von Seite der
Lehrenden oder Lernenden, die jene bewusst setzen, um das Geschehen im
Interesse der festgelegten Ziele zu organisieren. Demzufolge ist jeder
Satz, jede Anweisung eine "Intervention" im Lernsystem.
Intervention in diesem Sinne ist eine normale, ja notwendigen
Maßnahme." "Auf der anderen Seite soll die Normalität der Intervention nicht
dahingehend missverstanden werden, dass ein "mehr" an
Intervention auch ein "besser" bedeutet. Gerade das
Verhältnis zwischen Intervention und Nicht-Intervention ist für den
Erfolg von Ausschlag. Dieses zu erkennen und umzusetzen macht die
Professionalität der Lehrenden aus." 1994 definierte van
Hoofstraat das
Wesen der Interventionen in der Geschichte als ist ihre vom Betrachter
konstruierte Glaubwürdigkeit. Das unglaubwürdige wird zugunsten einer
plausiblen Möglichkeit neu definiert und so im Kontext
legitimiert. Das Wesen der Geschichte ist temporär, alle Erkenntnisse
behalten ihre Gültigkeit nur so lange, bis neue
Erkenntnisse den Sachverhalt neu definieren. In
diesem Zusammenhang spricht van Hoofstraat von der geschichtlich
temporären Wahrheit. Ein Wahrheitsbegriff der keine entgültige
Wahrheit zulässt. "Das Wissen über unsere Unzulänglichkeit im
Umgang mit geschichtlichen Fakten, führte in der Geschichtsbewertung
zu manch kurioser Folgeleistung und Manipulation."
Quelle:
Jaap van Hoofstraat, Der Anastatische Blick, 1964
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Die
Rezeptionstheorie ist ein Modell der Textanalyse, wie es u.a.
von Hans Robert Jauß und Wolfgang Iser entwickelt wurde, das
Texte von ihrer Rezeptionsgeschichte her versteht. Ausgangspunkt
ist die Annahme, daß die Bedeutung eines Textes nicht fest ist
oder mit der Autorintention zu identifizieren sei, sondern erst
im Vorgang der Rezeption zustande kommt und daher sozial und
historisch variabel ist. Hans Georg Gadamer schrieb dazu: Zur möglichst authentischen Wirkungsgeschichte gehört das Wissen um den betreffenden
geschichtlichen Abschnitt. Nur so ist es möglich, Werke und deren Wirkung der damaligen und somit
gerechtfertigten Bedeutsamkeit zuzuordnen. 1958 übertrug van Hoofstraat
Teile der Rezeptionstheorie auf die bildenden Künste und
definiert die Rezeptions-Idealkonstellation. Im Gegensatz
zur Textanalyse bei Jauß und Iser verbindet van Hoofstraat
jedoch das Kunstwerk mit der Autorenintention. Der
Künstler entwickelt das Kunstwerk aufgrund seiner existenziellen Situation,
also aus Erfahrung, Geschmack, Neigung, Bildung und
Sensibilität. Dabei ist die Kategorie der Kunstsparte sekundär, das Modell
also übertragbar. Aufgrund von Motivation, Idee und Eingebung
entwickelt der Künstler die Intention des Werkes, die dem Werk
dann immanent ist und damit auch das Wissen um den
geschichtlichen Abschnitt nach Gadamer definiert. Die existenzielle Situation
des Rezipienten entspricht in der Rezeptions-Idealkonstellation der des Künstlers. Basierend
auf seiner
Erfahrung, Geschmack, Neigung, Bildung und Sensibilität rezipiert er
das Werk des Künstlers. Die Rezeption, und damit die Interaktion des Rezipienten mit dem
Kunstwerk,
führt zu einer bewußten oder unbewußten Bewertung, wobei diese Bewertung durch
Desinteresse, Ablehnung oder
Zustimmung geprägt wird. In der Rezeptions-Idealkonstellation wird dem
Rezipienten
der Zugang zur Intention des Künstlers, als Teil des
Betrachtungsspektrums, bewusst. Hierbei gibt es verschiedene Varianten
des Zuganges, die von der größe des geschaffenen Zuganges abhängig
sind, und den Anreiz darstellen. Im Idealfall ist der Anreiz des
Kunstwerkes gerade so groß,
das ein weiteres Auseinandersetzen des Rezipienten mit dem Werk
gewährleistet ist. Ist der Zugang zu groß, dann erlischt das Interesse
- das Kunsterk wird als offensichtlich oder platt bewertet. Im
Gegensatz dazu steht ein nicht vorhandener Zugang. Die Anforderung an
das Werk aus sich selbst heraus erklärend tätig zu sein, wird durch
den fehlenden Zugang verhindert, der Rezipient kann weder etwas über
die existenzielle Situation des Künstlers, noch über die
Intention des Kunstwerkes erkennen. Diese Situation trifft ebenfalls
zu, wenn die existenziellen Situationen von Künstler und Rezipient von ungleicher Konstellation sind.
Im Regelfall ist die Rezeptions- Idealkonstellation für diese Situation
ausreichend und führt zur anschließenden gefühlten Bewertung.
Ist ein Zugang also
in ausreichender Form gegeben und damit ein Anreiz gewährleistet, der
zur
Interaktion des Rezipienten und des Kunstwerkes, und damit zu einer Bewertung
führt, wird das Gefühlsspektrum des Rezipienten, in
Form von Genuss oder Missfallen, Unwohlsein oder Euphorie, angeregt. Dieses
Erlebnis wird forthin das Bewertungsspektrum des Rezipienten
ergänzen und bei späteren Interaktionen sowohl das
Verständnis und die Interaktion mit bestimmen.
Quelle: Jaap van
Hoofstraat, Rezeption und Konstellation, 1958
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1959 prägte Dr. Jaap van
Hoofstraat den Begriff der temporären geschichtlichen
Wahrheit. Am Beispiel eines geschichtlich relevanten Fundes lässt
sich der Begriff am anschaulichsten erläutern. Ein solch relevanter
Fund wird geschichtlich zugeordnet und die historische
Bedeutung, nach Möglichkeit, kategorisiert und zeitlich festgelegt. Daraus ergeben sich
Erkenntnisse für die weiterführende historische Bedeutung des Fundes.
Wenn dieser relevante Fund, in einem zeitlichen Abstand, durch einen
weiteren relevanten Fund unterstützt, ergibt sich folgende Situation: eine neue Kategorisierung wird
vorgenommen, die bisherige Bewertung,
geschichtliche Zuordnung und historische Bedeutung wird neu definiert
und hat eventuell eine
Korrigierung des geschichtlichen Zeitstrahls, also der
Geschichtsschreibung zur Folge. Dieser Status quo wird unweigerlich,
aufgrund von neuen und genaueren Forschungsmethoden, in
unterschiedlichen Zeitabständen immer wieder auftreten. Den Zeitraum
zwischen diesen Ereignissen, definiert van Hoofstraat als temporäre
geschichtliche Wahrheit.
Quelle:
Jaap van Hoofstraat, Geschichte im Fluß, 1959/60
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