-
|
Historischer
Überblick der Geschichte des Jacob Bildes von 1656 - 1948:
|
-
1656 übernimmt Willem Schrijver
im Stadtrat von Amsterdam den Sitz von Gerard Schaep. Er ist der wahrscheinliche
Auftraggeber des Jacob - Bildes. Das Bild hängt über dem Kamin im Salon Willem
Schrijvers, in seinem Haus in der Heerengracht in Amsterdam
-
Nach dem Tode Schrijvers hängte der Vormund seines
Sohnes, Andries de Graeff das Bild über seinen eigenen Kamin in Amsterdam
-
Bis 1733 ist das Jacob-Bild in Inventaren der
Familie nachweisbar
-
Zwischen 1730 und
1750 erwirbt der Landgraf
Wilhelm VIII von Hessen-Kassel das Bild zusammen mit vielen anderen Gemälden in
Amsterdam
-
1749
erscheint das Bild erstmals in einem Kasseler Inventar.
-
1807
Napoleons „Kunstdieb" Vivant Denon wählt in Kassel 299
Gemälde für den Louvre aus -darunter befindet sich das Jacob-Bild und
weitere 15 Bilder von Rembrandt
-
1814
- 15 Nach Napoleons Niederlage werden die
erbeuteten Kunstschätze an die
Ursprungsländer zurückgegeben - das Jacob-Bild kommt nach Kassel in die
Gemäldegalerie zurück
-
1942
beginnen die Nationalsozialisten, die Sammlungen der deutschen Museen in
sichere Unterbringungen zu verladen - Das Jacob-Bild landet im Salzbergwerk
„Merkers" bei Gotha - einem der vielen Kunstdepots der
Nationalsozialisten
-
1945
wird das Depot „Merkers" von den Alliierten geräumt und nach
Frankfurt a.M. in die Reichsbank verlagert
-
Von
Frankfurt aus kommen die Kunstwerke nach Wiesbaden zur Sammelstelle für
gestohlene Kulturgüter der Alliierten, dem „Collecting Point"
-
1948
das Jacob-Bild wird der
Gemäldegalerie in Kassel zurück gegeben
|
|
|
-
Die
Stationen des Jacob-Bildes sind natürlich bekannt.
Umso überraschender ist es deshalb, als 1986 bei einer Versteigerung des
renommierten Auktionshaus Sotheby´s in London ein Bild mit dem Titel
„Jacob blessed the sons of Joseph" von Rembrandt van Rijn verkauft wurde
-
„The Property of a Gentleman", das
Eigentum eines Herrn, wurde das Bild im Katalog ausgewiesen.
-
Das Gemälde
wurde im Katalog mit einer
Abbildung offeriert, die mit den Maßen 210 x 175 cm angegeben war, was nur geringfügig von den Maßen des Kasseler
"Original" Jacob-Bildes
abweicht. Das bei Sotheby´s verkaufte Bild weist zwar in einigen Details
Abweichungen gegenüber dem Kasseler Bild auf, ist aber ansonsten erstaunlich ähnlich.
Der bemerkenswerteste Unterschied ist, das der Joseph mit einem anderem Gesicht
dargestellt wurde. Er hat den Blick nicht gesenkt zu seinen Söhnen gerichtet,
sondern schaut den Betrachter geradewegs an. In großen Teilen sind Komposition
und Duktus beinahe identisch. Da sich das
Kasseler Bild nach wie vor in in der Gemäldegalerie befindet, konnte es unmöglich
bei Sotheby´s versteigert worden sein, was bestätigte wurde. Es muss sich also um eine Fälschung,
oder um ein zweites, bisher unbekanntes Jacob-Bild von Rembrandt selbst, oder seiner Werkstatt handeln.
|

|

|
|
"Das Eigenrum eines Herrn" |
Expertise von Hoofstede de
Groot |
-
Trotz
seines Wissens
über die Gepflogenheiten der Auktionshäuser, schrieb van Hoofstraat
an
Sotheby´s und bat um Namen
und Anschrift des Vorbesitzers und Käufers. Er erhielt natürlich die erwartete
Antwort. In den Satzungen der Auktionshäuser heißt es: „Sotheby´s hält absolute Diskretion...", und
"Der Verkäufer verbürgt sich gegenüber Sotheby´s und dem Käufer, dass
er der wahre Eigentümer des Gutes oder von dem wahren Eigentümer hinreichend
autorisiert ist, das Gut zu verkaufen, und befugt ist, das Gut und dessen
marktfähigen Titel frei von allen Ansprüchen Dritter zu verkaufen."
-
In London wurde van
Hoofstraat der Property Report des Jacob-Bildes von Sotheby´s
zugespielt. Dieser bekundet, dass das Jacob-Gemälde für die Summe von 500 bis
600.000 Pfund veräußern
werden sollte. Der Name des Mittelsmann als auch der Name des Verkäufers waren nicht
in Erfahrung zu bringen. Auf den Kopien der Dokumente waren Namen und Adressen unkenntlich
gemacht.
-
In den Wirren der letzten Kriegstage
sind viele
Dokumente vernichtet worden. Einer der wenigen erhaltenen Lagerlisten des Flakturms
Friedrichshain gibt Auskunft über ein Rembrandtgemälde mit dem Titel: „Jacob segnet die
Söhne des Joseph" mit der laufenden Nr. 218. Die Liste bezieht sich
auf die Gegenstände, die im Raum 1, Fach C, Gestell 3, gelagert wurden..
-
Ein Telegramm
aus dem Jahr 1945 in Berlin aufgegeben, brachte weitere aufschlussreiche Informationen. Der britische Brigadier Graffnan und der Offizier Norrris,
beide beauftragt mit der Sicherstellung von Kunstschätzen, haben dem Schreiben
zu Folge das
Jacob-Bild im Flakturm Friedrichshain, im Gestell 3, Fach B gefunden. Bis auf
die
kleine Abweichung der Beschriftung des Faches, eine Bestätigung für den
Aufenthalt des Bildes in Friedrichshain.
-
Ein
weiterer Beweis wurde durch ein Foto aus dem Bunker Friedrichshain
deutlich. Ein Foto
der Alliierten bei der Sichtung des Flakturms Friedrichshain, auf dem das Jacob-Bild deutlich zu
erkennen ist. Diese Dokumente warfen natürlich Fragen auf. Das Original
Jacob-Bild wurde den bisherigen Erkenntnissen nach im Stollen „Merkers" untergebracht,
wo es auch in Listen dokumentiert wurde.
-
Warum
sollte ein einziges Gemälde
der Kasseler Gemäldegalerie, nach Friedrichshain in Berlin gebracht worden sein,
wenn der Rest der Sammlung im Stollen „Merkers" untergebracht war? Ein
weiterer erschwerender Umstand, ist die Tatsache, dass im Flakturm
Friedrichshain zu Kriegsende ca. 500 Kunstgegenstände durch einen Brand
zerstört wurden. Unter diesen Kunstgegenständen befanden sich auch viele
bedeutende Gemälde.
-
Dr. Jaap van Hoofstraat gelang es
Einsicht in die Unterlagen des
Restaurationsbetriebs Tschirsch aus Berlin der Jahre 1938-42 zu erhalten.
Die Werkstatt arbeitete unter anderem für die Nationalgalerie in Berlin. Auf einem Foto der
Werkstatt ist deutlich das Jacob-Bild im Hintergrund zu erkennen.
Aus den Unterlagen wurde deutlich, dass Alfred Tschirsch an dem Jacob -Bild 1941
in der Werkstatt gearbeitet hatte. Hierbei muss davon ausgegangen werden, das es
sich dabei um das Bild handelt, das von Sotheby´s verkauft wurde, da auf einem Röntgenbild aus der
Werkstatt deutlich der andere Josephkopf zu erkennen ist.
-
Eine Expertise Hoofstede de Groots aus dem Jahr
1823, die auf der Rückseite des Bildes aufgeklebt ist, bezeichnet das Gemälde
als „Original Rembrandt Bild". Ein Stempel
des „Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg" ist zusätzlich auf der Expertise zu
erkennen.
-
Rosenberg
der mit seinem Stab in den
besetzten Gebieten Kunstschätze für Hitlers geplantes Museum in Linz zusammenkaufte und
raubte, hat in mehreren Briefen über das Jacob-Bild geschrieben. 1940 schrieb Rosenberg an Martin Borman, dass sich das von Hitler erwähnte
Jacob-Bild von
Rembrandt van Rijn, unter dem beschlagnahmten Besitz der Familie
Rothveergs befindet. Rosenberg schrieb weiterhin, das er sich freue, dies dem Führer mitteilen zu können.
Eine Familie Rothveergs ließ sich trotz intensiver Recherche nicht auffinden.
-
Dass Hitler eine besondere
Affinität für das Jacob-Bild aufbrachte, geht aus einem Schreiben
Bormanns an den Restaurator Tschirsch in Berlin hervor. Bormann schriebt dass
die Kunstwerke in Friedrichshain nicht in "Feindeshand" fallen dürften und dass
der besondere Schutz dem Bild des „Jacob" von Rembrandt gelte.
-
In
diesem Zusammenhang ist auch ein Brief Rosenbergs
aus dem Jahr 1946 an den Generaldirektor der Nationalgalerie in Berlin
interessant. Rosenberg macht darauf aufmerksam dass die 109 Gemälde minderen
Ranges, die im Flakturm Friedrichshain untergebracht waren, nicht verbrannt,
sondern erhalten geblieben sind. Unter diesen Bildern soll sich auch das
Jacob-Bild befunden haben, über dessen weiteren verbleib Rosenberg keine
Informationen hätte. Angeblich wurden diese Werke im Juni 1945 verpackt und
fortgeschafft.
|

|
| Rosenbergs
Brief an den Direktor der Nationalgalerie in Berlin |
-
Es ist also
annehmbar dass
sich Rembrandts
Kasseler Jacob-Bild
tatsächlich im Stollen „Merkers" befunden hat und nach dem Krieg an die
Gemäldegalerie zurückgegeben wurde. Das Jacob-Bild der nicht auffindbaren
Familie Rothveergs ist demnach im Flakturm Friedrichshain mit anderen
Gemälden untergebracht worden. Dieses Gemälde ist demnach 1945 an einen anderen Ort gebracht
worden oder verbrannt.
-
1986
taucht das Jacob-Bild bei Sotheby´s auf und wird für 580 000 Pfund verkauft. 1989 kam
Dr. Jaap van Hoofstraat dem Verkäufer
des Jacob-Bildes auf die Spur. In einer Zeitungsannonce der Neuen Züricher
Zeitung wurden Rembrandtzeichnungen angeboten. Van Hoofstraat gab sich als
Interessent und Käufer aus. Er traf den 82 jährigen, angeblichen Kunsthändler Dieter Heinrich in
Antwerpen. In Heinrichs Büro sah van
Hoofstraat eine Fotografie des Friedrichshainer Jacob-Bildes. Mit dem Wissen
über das Jacob-Bild konfrontiert, leugnete der Kunsthändler irgendwelche
Kenntnisse über das besagte Bild zu haben.
-
1990
versuchte van Hoofstraat nochmals
eine Erklärung von Sotheby´s über diese mysteriösen Vorgänge zu erhalten, und
konfrontierte das Auktionshaus mit den Ergebnissen seiner Recherche. Das
Auktionshaus
erklärte daraufhin, dass derartige Vorgehensweisen nicht in Übereinstimmung
mit den Interessen ihres Hauses stünden und drohten mit Juristischen Schritten bei etwaiger
Publikation dieser Verdächtigungen.
-
1997
erschien ein Artikel über Beutekunst in einem großen deutschen
Nachrichtenmagazin, das ein bislang unbekanntes Foto beinhaltete. Hitler und
seine Generäle mit dem Jacob-Bild an einem Tisch. Ein weiterer Beweis für
Hitlers vorliebe für dieses Gemälde? Dr. van Hoofstraat hielt das Foto
für eine Manipulation und bezweifelte seine Echtheit.
-
Letzte Nachforschungen
ergaben
dass der Kunsthändler Dieter Heinrich 1945 als Soldat im Flakturm Friedrichshain stationiert
gewesen ist. Es ist also möglich dass
Heinrich in den letzten Kriegstagen das Jacob- Bild fortgeschafft hat um es dann 41
Jahre später wieder zu verkaufen, wenn tatsächlich ein zweites Jacob-Bild
existieren hat.
|
|