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Victor
N. Gaspari wurde 1802 in Ljubljana als zweiter Sohn eines reichen Händlers
geboren. Er war ein Studienkommilitone France Prešeren in Wien. Wie Prešeren
studierte Gaspari Philosophie, doch nicht als Voraussetzung für das Studium der
Rechtswissenschaften, sondern als Zeitvertreib und Luxus. Neben der Philosophie
studierte Gaspari noch Musik und zeigte sich auf beiden Gebieten durchaus
talentiert. Gaspari stammte aus gutem Hause, war finanziell abgesichert und
verbrachte viel Zeit in den Salons der guten Gesellschaft.
Gaspari
interessierte den zwei Jahre älteren France Prešeren für die Poesie und
Dichtkunst. Gemeinsam lasen sie die großen Werke, von der Antike bis zur
Romantik, von Homer bis Boccaccio. Eines seiner ersten Gedichtversuche widmete
Prešeren dem damals unglücklich verliebten Victor N. Gaspari. Es war eine Art
Studentenscherz mit dem Titel „Zarjovena Divicica“, was etwa soviel heißt
wie „verrostete Jungfer“. Die Verse verfehlten jedoch die bedachte Wirkung
und Gaspari war über die öffentliche Bloßstellung zutiefst betroffen. Die
Freundschaft war von da an belastet und ein paar Jahre später fand Gaspari eine
weniger schöne Art des Ausgleichs. 1824 denunzierte er Prešeren, der als
Lehrer am Klinkowströmschen Institut in Wien arbeitete und einem Schüler, dem
Grafen Anton Auersperg, verbotene Gedichtwerke ausgeliehen hatte. Prešeren
wurde wegen freigeistiger Tendenzen entlassen und kehrte nach Ljubljana zurück.
Die
beiden ehemals guten Freunde verloren sich für die nächsten Jahre aus den
Augen. Gaspari verfolgte jedoch mit Argwohn den weiteren Werdegang Prešerens.
Ständig verdächtigte er den ehemaligen Kommilitonen, bei seiner Dichtkunst von
den eigenen Früchten gestohlen zu haben.
Gaspari
wurde von Anton Martin Slomsek, dem späteren Bischof von Maribor, gefördert,
in dessen Umkreis er sich bewegte. Slomsek, der die Verwendung der slowenischen
Sprache auf die Liturgie reduzieren wollte und die Volksbildung im kirchlichen
Sinne propagierte, übte großen Einfluss auf den jungen Gaspari aus. In dem
Gedichtzyklus „Liturgische Elegien“ setzte Gaspari Anton Martin Slomsek ein
viel zu wenig beachtetes Denkmal.
1833
kehrt Gaspari in das elterliche Haus nach Ljubljana zurück. Wien und seine
Salons, die degenerierte Gesellschaft, zu der er selbst zählte, langweilten
ihn. Er beneidete Menschen wie France Prešeren, die sich ihr Leben erarbeiteten
und an etwas glaubten, ein Ziel hatten. Für ihn war das Leben ein Geschenk, das
ihm keine Mühe kostete. Er ließ sich von seiner Lust und seinen flüchtigen
Interessen treiben. Von der Musik hatte Gaspari sich erfolglos abgewendet und
widmete sich nur noch dem Schreiben. 1833 veröffentlichte er auf eigene Kosten
eine Gedichtsammlung, die sich mit „Poesie der Jugend“ übersetzen lässt.
Der Band fand mäßigen Anklang und wurde von dem führenden Kritiker verrissen.
France
Prešeren und Victor N. Gaspari trafen in Ljubljana unweigerlich aufeinander.
Doch die Jahre hatten die Unstimmigkeiten verblassen lassen. Bis zum 6. April
1833, wo Gaspari gewahr wurde, das Prešeren die von ihm angebetete Julija
Primic verehrte.
Dieses
Erlebnis und die daraus resultierenden Streitigkeiten zwischen Prešeren und
Gaspari führten dazu, dass sich Julija Primic von beiden Männern abwandte. Für
Gaspari ergab sich daraus eine unerwartete Wendung im Leben. Seine Dichtkunst
trieb neue ungeahnte Blüten, die sich in dem Gedicht „Der Stolz“ am
deutlichsten zeigten. Er schwankt in den Zeilen zwischen der Akzeptanz des
Verlustes seiner großen Liebe und dem Trotz dieser Schwäche zu widerstehen.
Das Gedicht bezieht auch deutlich Stellung zu Gasparis und Prešerens Beziehung.
Die letzte Strophe findet sich in abgewandelter Form in Preserens
Trinklied/Zdravljica. Diese Tatsache führte zu einem Streit zwischen den beiden
ehemaligen Freunden, in dessen Verlauf Gaspari von der Drachenbrücke stürzte
und ertrank. Die Ursache dieses Sturzes wurde nie geklärt.
1894
wurde an dem ehemaligen Wohnhaus Julija Primic eine Büste der Julija
angebracht, wie sie aus einem stilisierten Fenster heraus, sehnsuchtsvoll auf
die Straße blickt. Zwei Jahre später wurde von einem unbekannten Künstler ein
weiteres Portrait an der Hauswand angebracht, das Bildnis Victor N. Gasparis,
der ebenfalls aus einem stilisierten Fenster heraus zu der Julija herüberblickt.
1900 verschwindet dieses Bild jedoch auf geheimnisvolle Weise über Nacht. So
dass 1905, als das große Standbild France Prešerens auf dem wenige Meter
entfernten Platz eingeweiht wurde, der Blick der Julija nur mehr der leidenden
Liebe France Prešerens gilt.
Das
Andenken an Victor N. Gaspari ging mit seinem Bildnis unter. Von der Geschichte
und seinen Ereignissen überholt, wurde sein Bildnis 2006 in einem Keller in
Ljubljana wieder entdeckt. Die Stiftung Gaspari ist nun versucht, das Bildnis an
seinem ursprünglichen Ort, an dem ehemaligen Wohnhaus Julija Primic
anzubringen, um so einem fast vergessenem Dichter unseres Landes zu gedenken.
Ein Dichter, dessen Werk noch nicht abschließend bewertet wurde.
| Victor
N. Gaspari: Der
Schmerz
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| 1
Den Schädel bis zum Scheitel aufgerissen -
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| 2
Von wiederkehrenden, quälenden Erinnerungen;
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| 3
An etwas, das mir wie das Glück erschien -
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| 4
Doch trügerisch im Bilde schimmerte.
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| 5
Ich fürchtete und hoffte bang,
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| 6
Bis Furcht und Hoffnung ich bezwang;
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| 7
Das Herz ist leer, ist ohne Glück,
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| 8
Wünscht Furcht und Hoffnung sich zurück
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| 9
Mit einem groben Seil ich band,
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| 10
Den leidend Kopf zusammen mir;
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Mit Nägeln und mit Schrauben,
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| 12
Die tränend Augen zu verschließen.
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| 13
Mit Schlamm und Ton die Ohren stopft ich;
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Mit Bleiplatten einen Brustpanzer ich schuf,
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Damit das Herz nicht mehr klopft und ruft,
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| 16
So unerträglich laut nach Dir.
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| 17
Die Füße vergrub ich im Boden;
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Dass ein Nachlaufen mir unmöglich ist,
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| 19
Ich sehe dich nicht.
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| 20
Und mich auch nicht.
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| Aus
dem slowenischen von B. Horváth
Victor
N. Gaspari bei Wikipedia
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